Rückblick auf den Studientag am 21. März 2026

Ein Bericht von Mechtild Kenkel

Der Studientag anlässlich des 80. Todestages des Seligen Clemens August Kardinal von Galen war in jeder Hinsicht eine sehr gelungene, hervorragend organisierte und inhaltlich bereichernde Veranstaltung. Die durchdachte Planung, die hinführende Eröffnung durch Äbtissin Franziska Lukas, die klare Moderation durch Sr. Ulrike Soegtrop sowie die hohe fachliche Qualität der Beiträge haben diesen Tag zu einem nachhaltigen und eindrucksvollen Erlebnis gemacht. 

Besonders informativ war für mich das Statement von Dr. Winfried Süß zur Protestpredigt vom 3. August 1941. Es hat noch einmal deutlich gemacht, mit welchem Mut und welcher inneren Überzeugung von Galen in einer Zeit großer Angst und politischer Bedrängnis seine Stimme erhoben hat. Die historischen Hintergründe wurden anschaulich dargestellt und haben mir neue Perspektiven eröffnet – insbesondere die Erkenntnis, dass seine Predigten weit über Deutschland hinaus Wirkung entfaltet haben und sogar international, bis nach Australien, wahrgenommen wurden. 

Zwischen Ethik, Medizin und Menschlichkeit

Die anschließenden Beiträge zum Thema Euthanasie aus theologischer (von Stephan Kliesch), medizinisch-ethischer (von Dr. Bernhard Birmes) und hospizlicher (von Cornelia Bröring) Perspektive waren ebenso fundiert wie bewegend. Sie haben das Thema in seiner Vielschichtigkeit beleuchtet und dabei sowohl fachliche Tiefe als auch menschliche Nähe spürbar werden lassen. Besonders beeindruckt hat mich die Darstellung der Hospizarbeit: die achtsame, würdevolle Begleitung von Menschen am Lebensende sowie die Unterstützung der Angehörigen. Hier wurde deutlich, wie wertvoll und notwendig solche Angebote sind und mit welcher Professionalität und Hingabe sie umgesetzt werden. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass das Thema Euthanasie und Sterbehilfe nicht nur ältere Menschen betrifft. Auch Kinder und Jugendliche sind zunehmend damit konfrontiert – nicht zuletzt durch Einflüsse aus den sozialen Medien. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, gibt es für diese Zielgruppe niedrigschwellige, vertrauensvolle und auch anonyme Unterstützungsangebote? Daraus ergibt sich eine wichtige Frage für unsere Gesellschaft: Wo und wann muss Prävention beginnen – und wie können BETROFFENE verlässlich begleitet und geschützt werden? 

Die Auseinandersetzung mit dem Thema des assistierten Suizids hat in mir viele Fragen ausgelöst. Was muss ein Mensch erlebt haben, um einen solchen Wunsch zu äußern? Diese Frage bleibt für mich tief bewegend und fordert dazu heraus, sich intensiver mit der Sinnfrage des Lebens auseinanderzusetzen und sensibel auf die Nöte anderer Menschen zu schauen. 

Ein Tag, der nachwirkt und weiterführt

Der Studientag hat mir nicht nur viele neue Informationen vermittelt, sondern auch wertvolle Denkanstöße und Impulse gegeben. Er ermutigt dazu, das Thema Euthanasie stärker in das gesellschaftliche Gespräch zu bringen und nicht zu tabuisieren. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem eigenen Beitrag: Was kann ich tun? Wo sehe ich Möglichkeiten, mich einzubringen? Und welche Kompetenzen brauche ich, um Menschen in schwierigen Lebenssituationen noch besser begleiten zu können? 

Insgesamt war dieser Studientag ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie historische Erinnerung, ethische Reflexion und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen miteinander in einen fruchtbaren Dialog treten können. Dafür gilt allen Verantwortlichen und Referierenden ein herzlicher Dank – nicht zuletzt auch Erik Geier für die gut ausgesuchten und dargebrachten musikalischen Unterbrechungen.

Zum Abschluss des Studientages fand in der Klosterkirche auf der Burg eine feierliche Vigil zum 80. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen statt. Diese liturgische Feier bildete einen würdigen und zugleich berührenden Ausklang des Tages unter Mitwirkung von Weihbischof Wilfried Theising. In der besonderen Atmosphäre der Kirche wurde das zuvor Gehörte noch einmal vertieft und in einen geistlichen Zusammenhang gestellt. Die Vigil lud dazu ein, innezuhalten, nachzudenken und die Impulse des Studientages im Gebet weiterzutragen. In der Erinnerung an das mutige Zeugnis von Kardinal von Galen wurde spürbar, wie sein Wirken bis in unsere Zeit hinein Orientierung und Ermutigung schenkt. So verband die Feier auf eindrucksvolle Weise Geschichte, Gegenwart und Glauben und hinterließ einen nachhaltigen, innerlich bewegenden Abschluss. 

Kommentare von Teilnehmenden

  • Kommentar von Regina Allgaier
  • Kommentar von Simone Göhner
  • Kommentar von Angelika und Bernd Klasen-Kruse
  • Kommentar von Thomas Ahrling

Natürlich kannten wir die Predigten von Kardinal von Galen. Die geschichtliche Einordnung war neu und sehr interessant. 

Für die Referate zum Thema Sterbehilfe waren wirklich gute Referenten eingeladen. Hier ging es vor allem um das selbstbestimmte Sterben, aber auch den gesellschaftlichen Druck, „keinem zur Last zu fallen“. Gut, dass es Menschen gibt, die das „natürliche“ Sterben begleiten. Die christliche Haltung machte Hoffnung. 

Seit 45 Jahren begleiten wir unseren Sohn mit Behinderung durchs Leben. Er hat das Down-Syndrom. Christian ist mit seinem Leben zufrieden. Wir haben immer versucht, dass er so selbstbestimmt leben kann wie möglich. Viel hängt dabei von den Menschen ab, auf die wir und er trifft. Letztes Jahr ist er lebensbedrohlich erkrankt. In drei Kliniken trafen wir auf Menschen, die ihn liebevoll versorgten und alles medizinisch Notwenige getan haben, damit er wieder gesund wurde. Es ist gelungen. Sorge haben wir, dass es bei weiter steigenden Kosten im Gesundheitsbereich in Zukunft eine Triage gibt – eine Sortierung: welches Leben ist nützlich. 

Bei immer weiteren Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik müssen sich Eltern, die sich für ein Kind mit Behinderung entscheiden, vielfach rechtfertigen. Selbst zwischen (Kirchen)- Tür und Angel wurde eine Bekannte von einem ihr unbekannten älteren Mann mit Blick in den Buggy gefragt: „Mussten Sie dieses Kind bekommen?“. 

Wenn es um Menschen geht, darf es keine Kosten-Nutzen-Rechnung geben – ob es Senioren oder um Menschen mit Behinderung betrifft. 

Menschliches Leben darf nie in Frage gestellt werden. Es ist gut, wenn viele dafür eintreten! 

Herzlichen Dank an die Kardinal von Galen Stiftung | Burg Dinklage für die Einladung zum Studientag. Das Thema „Sterbehilfe“ ist oft verdrängt, da sehr komplex und so grundsätzlich und persönlich wie wenig andere. Es ist mutig, sich damit auseinanderzusetzen. Mutig als Veranstalter, aber auch mutig für jeden, der sich aufrichtig Gedanken dazu macht. Die Verbindung zum Wirken Kardinal von Galens war sehr gelungen. Was ist ein Leben „wert“, das war für mich die Klammer.

Der Vortrag von Dr. Süß hat nochmals neue Erkenntnisse zu den Predigten Kardinal von Galens geboten. Insbesondere der historische Kontext zu den Luftangriffen auf Münster war mir bislang nicht bewusst und scheint doch ein wesentliches Element für die schnelle und große Verbreitung der Inhalte der Predigten. Wie Dr. Süß herausgearbeitet hat, braucht es immer auch ein aufnahmebereites Umfeld, damit sich Aussagen durchsetzen können.
Beeindruckend fand ich die Ausführungen von Frau Bröring. Sie hat viele Menschen am Lebensende begleitet und hat daraus umfassende praktische Erfahrungen. Auf „Beziehungen“ abzustellen, scheint mir der Kern der Diskussion!

Die Veranstaltung klingt auch Tage später nach und das ist für mich ein sehr positives Ergebnis einer Veranstaltung!
Alle Diskutanten haben von Begleitung und Betreuung der Sterbenden gesprochen und das ist sicherlich sehr wünschenswert. Etwas zu kurz kam mir da der Realitätsabgleich. Wer soll das in einer dramatisch älter werdenden Gesellschaft machen und selbst wenn es die Menschen dafür gäbe, wer soll das bezahlen, wenn es keine Familie, Freunde gibt oder die Aufgaben deren Kräfte und Zeiten übersteigen? Das Ehrenamt wurde angesprochen und dort wird unglaublich viel geleistet, der Bereich ist unverzichtbar. Aber wie weit kann das ausgebaut werden?

Kurz wurde der deutlich steigende Bedarf der Betreuung junger Menschen gesteift. Das ist ein geradezu explodierender Sektor. Wo setze ich als Gesellschaft Betreuende und Finanzen ein? Die umfassende Betreuung Sterbender soll eine Gesellschaft, die auf christlichen Werten gründet, leisten. Das ist ein sicherlich erstrebenswertes Ziel, ist es aber realistisch angesichts vieler anderer Aufgaben, die auch eine hohe Berechtigung haben? Wo werden begrenzte Ressourcen eingesetzt, beim suizidalen Jugendlichen oder beim schwerkranken Älteren mit Sterbewunsch? Leben darf nicht gegeneinander aufgewogen werden, das ist richtig, aber faktisch müssen Entscheidungen getroffen werden.

Und was ist mit der immer größer werdenden Zahl an Menschen, die sich nicht den christlichen Werten verbunden fühlen? Sind ihre Wünsche andere? Wie steht es mit der gegenseitigen Akzeptanz? Kann ich als Christ unter begrenzenden Bedingungen für Sterbehilfe sein?

Wie sie sehen, viele weitere Fragen. Damit bin ich sicherlich nicht allein. Sie hatten in Aussicht gestellt, es könnte anschließende Formate geben. Das würde ich sehr begrüßen!! 

Danke für den sehr erhellenden Vortrag von Herrn Dr. Süß zum Widerstand gegen das Euthanasie-Programm der Nazis durch Kardinal Graf von Galen im Sommer 1941! Im Groben war ich über die drei Predigten, die zur Einstellung der Aktion T4 führten, informiert. Neu war für mich, dass das NS-Regime in seiner Reaktion auf die Predigten z.T. von falschen Annahmen ausgegangen ist, indem zum Beispiel die Haltung von Galens als die Position ALLER damaligen deutschen Bischöfe missverstanden wurde. Ebenfalls erstmalig gehört habe ich von der weiten Verbreitung der Predigten, weit über Deutschland hinaus – Lappland! – bis zu den Alliierten. 

Die Veranstaltung wurde nach der Kaffeepause mit drei Statements zum Thema „Sterbehilfe heute“ und einer anschließenden Diskussion im Podium fortgesetzt. Das war sehr bewegend, insbesondere der Beitrag von Frau Kornelia Bröring, die auf der Grundlage ihrer Erfahrung der Hospizarbeit gesprochen hat. Durch das Statement von Herrn Dr. Birmes wurden u.a. die unterschiedlichen Formen der Sterbehilfe dargestellt, in ihrer medizinischen, aber auch in ihrer rechtlichen und ethischen Beurteilung. Dafür hätte ich mir mehr Zeit gewünscht und eine Konkretisierung an Fallbeispielen, was offensichtlich auch geplant war, aber aus Zeitgründen leider wegfallen musste. Die Fallbeispiele hätten sicher auch ein Verständnis für solche Menschen wecken können, die chronisch schwer und schon lange krank sind und fest, dauerhaft und freiverantwortlich einen Sterbewunsch entwickeln. 

Die Zusammenschau der beiden Themen „Euthanasie im Nationalsozialismus und der Widerstand dagegen“ einerseits und des Themas „Die Diskussion um Sterbehilfe heute“ andererseits ist und bleibt m.E. problematisch – trotz des Versuchs, durch die Begriffe „Halt geben und Haltung zeigen“ eine gewisse Gemeinsamkeit herzustellen. Bei dem sog. Euthanasieprogramm der Nazis handelt es sich um die gezielte Ermordung geistig, körperlich und psychisch beeinträchtigter Menschen. Von außen, durch die Nazis, wurde unterschieden zwischen „lebenswertem“ und „lebensunwertem Leben“; weder die Kranken selbst noch die Angehörigen hatten eine Stimme. – Wenn es heute um Therapiebegrenzung, indirekte Sterbehilfe und assistierten Suizid geht, dann liegt hier eine gänzlich andere Ausgangslage vor. 

Das Engagement/ das Eintreten für seinen Glauben von Kardinal Clemens August Graf von Galen hat mich gestärkt und ermutigt. Ein aufrichtiges, wachsames Gewissen zwingt einem förmlich zum Handeln. 

Die Statements und die Gesprächsrunde zur Sterbehilfe, zur Selbsttötung haben mir die Notwendigkeit des christlichen Handelns in unserer Gesellschaft, gerade für die Hilfebedürftigen, Sterbenden bewusst gemacht. Mir wurde durch diesen Nachmittag klar, dass wir, im Privaten, in den Familien uns dieser Aufgabe annehmen müssen. Der Staat kann Rahmenbedingungen schaffen und durch Einrichtungen Unterstützung leisten. Aufgrund der großen Herausforderung sind wir, die Gesellschaft in der Verantwortung beim Dienst am Nächsten. 

Weitere Einblicke in den sozialen Medien